Lauffröschli

kleine Sprünge & große Hüpfer

Nihilist

Agnostiker

Xenologophobiker

Bohème

Laufmisantroph

Und hier meine grobe, vermutlich unvollständige, Packliste. Am Fughafen wog mein 33l Rucksack exakt 9,9kg, dazu die Kleidung am Körper und ein Drsysack als Handgepäck mit ca. 1 kg. Mit Wasser werde ich wohl so ca 12-14kg geschultert haben, mit leichtem Schwund durch schwindende Vorräte. Aufgefallen ist mir die Gewichtserleichterung allerdings nicht.

Rucksack 33l
Hardshell
Fleecejacke
Hose G1000
2 Funktionsshirts
3 Paar normale Socken
kurze Gaitors
Hut
Schlauchtuch
900g Zelt
Sommerschlafsack
Seideninlet
selbstaufblasende Isomatte
Radhandschuhe
Trekkingstöcke
Trekkingschuhe
Ultralightkocher
Espressokocher
mittlere Kartusche
kleiner Topf
Titantassentopf 600ml
8*Tütensuppe
250g Kaffee
2l PET Flasche
1l Flexflasche
Hartplastikbesteck
Klappmesser
26*Müsliriegel
0,2l Whisky
Smartphone
Blackberry
Taschenbuch
3 Karten
Kompass
Stirnlampe
Solarlämpchen
Reisepass
4*Plastikkarten
First Aid Set
Kackschaufel
16*feuchtesToilettenpapier
Deo
Zahnbürste
Zahnpasta
8l Trockensack
3l Trockensack
Minirucksack
Stoffhexe
später hinzu
8*Tütensuppe
10*Müsliriegel
Kartusche
Regenhose
Midgenetz
Taschenbuch

Arctic Circle Trail

März 19th, 2012

Innerhalb der letzten Wochen ist mir mehrfach ein Wanderweg in Grönland über den Weg gelaufen, erst in dem englischsprachigen Magazin Wanderlust, dann im 4-Season. Zunächst war ich interessiert, dann, angefixt und schlussendlich überzeugt: 2013 soll es auf den Arctic Circle Trail gehen! Die Karibik bzw. Dominica muss warten, erst wird es kalt. Reisezeitraum wird August oder September sein, da es dann noch schneefrei ist, aber bereits Chancen auf das Polarlicht bestehen. Aufgrund der Zugehörigkeit zu Dänemark kommt man mit dem Flugzeug von Kopenhagen aus relativ günstig hin. Der Weg zieht sich über 180km von Kangerlussuaq nach Sisimiut und ist in 8-14 Tagen zu bewältigen. Es gibt absolut keine Infrastruktur, das komplette Essen muss mitgeführt werden.

In den nächsten Wochen und Monaten werde ich noch weitere Informationen über den Weg und meine Vorbereitungen veröffentlichen. Daune oder Kunstfaser? Leder oder GoreTex?

Hat jemand Lust, den Trail mitzulaufen? Begleitung ist erwünscht.

Pause

März 19th, 2012

Der letzte Post über das Laufen ist jetzt schon einige Zeit her. Einige Wochen lang habe ich mich in diesem Jahr von Drill Instructorin Zickline durch den Steffny-Plan jagen lassen, bis mir zwei Wochen vor dem Syltlauf eine Entzündung im Sitzapparat einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Zuvor hatte ich brav den 15er und den 20er der Rheinzaberner Winterlaufserie mitgenommen und bin sogar 25km in Rodgau unterwegs gewesen. Ich war ganz passabel vorbereitet und ganz guter Dinge, zumindest die 03:30h für die 33,333km angreifen zu können. Knapp drei weitere Wochen werde ich wohl noch warten, bis ich wieder meine Laufschuhe schnüre. Ich könnte vermutlich bereits jetzt schon ein paar Meter laufen gehen, aber mir fehlt momentan der Grund bzw. das Wofür. Das weitere Jahr ist noch komplett ungeplant und könnte auch eventuell wettkamplos bleiben. Mal sehen.

Schottland – Tag7-8/16

Februar 23rd, 2012

Wieder einmal bin ich am Vortag weiter gekommen als ursprünglich geplant war und somit dem neuen Tagesziel schon recht nah. Der zweite Munro steht auf dem Plan, jetzt aber ein fast wegloser. In der Küche des Campingplatzes gibt es diverse Aushänge und Flyer zum Beinn Dorain, über die Schwierigkeit sind sich aber alle einig. Auch der Platzwart berichtet von einem nicht ungefährlichen Aufstieg bei nassen Bedingungen. Die Stürme vor drei Wochen, jetzt viel Regen in den letzten Tagen, dazu noch eine Wettervorhersage, die für den morgigen Tag des geplanten Aufstiegs Sturm und Regen ankündigt. Im Gipfelbereich gibt es zudem keinen Weg mehr, sobald man neben dem Bach/Wasserfall aufgestiegen ist, muss man sich im Nebel grob rechts halten. Suuuuper. Schweren Herzens kippe ich also den Plan und verlängere die heutige Etappe bis zur Wildcampingfläche des Inveroran Hotels. Nach einer Frühstückspause in Tyndrum folgt die langweiligste Stelle des kompletten Weges – knapp 10-12km nach Bridge of Orchy – immer über Kieswege am Fusse des Beinn Dorain – entsprechend schnell komme ich auch vorwärts. Beim Aufstieg zum letzten Hügel treffe ich dann den Kampfsportler wieder, der sich wie üblich verquatscht hatte und noch viele Kilometer für heute vor der Brust hat. Von oben bietet sich etwas abseits des Weges die überhaupt schönste Aussicht des WHW! Die kleinen Hinweise im Reiseführer sind manchmal Gold wert. Am Campingplatz trennen sich unsere Wege zum letzten Mal. Wir sollten uns nicht mehr wiedersehen. Es ist mittlerweile 16 Uhr und das Kingshouse Hotel ist noch knapp 16km entfernt. Am Kingshouse Hotel soll zudem meine nächste Besteigung starten, die ich aber gern etwas ausgeruhter und nicht mit über 35km in den Beinen begehen möchte.
An dieser laut Karte letzten und einzigen Übernachtungsmöglichkeit in der Gegend überhaupt (Rannoch Moor sagt alles) ist dementsprechend viel los und es stehen bereits einige Zelte in immer stärker werdenden Wind. Nach einigen Plaudereien und Abendessen gehe ich unbegleitet und unabsichtlich allein ein paar Hundert Meter zum Hotel und dem Hikers Pub zurück. Ein Pint Guinness, ein Pint Cider und einem Whisky später wanke ich zurück zum Zelt und falle sofort in tiefen Schlaf. Die im Pub ausliegende Wettervorhersage hat von “blustery rain” berichtet. Keiner konnte genau sagen, was das Wort bedeutet, aber man kann es mit vierstündigem waagerechten Platzregen bei sehr starkem Wind beschreiben. Mittlerweile verstehe ich auch mehr von der Bevölkerung des Weges. Die Mehrheit steht sehr früh auf und kommt auch schon sehr früh am Ziel an. Durch meine verschobenen und wild gelegten Startpunkte bin ich vielen Wanderern nicht oder nur kaum begegnet, obwohl wir uns tagelang auf engem Raum befunden haben.
Nachts zieht dann heftiger Wind auf und biegt das Zelt in alle verschiedenen Richtungen, zwischendurch hängt mir immer wieder die Innenhaut im Gesicht und auf den Beinen. Ich zelte direkt neben einer Mauer und konnte nur sehr unzureichend abspannen, dafür aber vergleichsweise Windschatten geniessen. Um kurz nach 6 ist die Nacht dann auch schon zuende, die ersten Stimmen von vorbeiziehenden Wanderern sind zu hören. Um kurz nach 6! Zwei, mit denen ich im Pub gesprochen hatte, wollten direkt nach Kinlochleven weiterlaufen und hatten somit über 35 Kilometer vor sich. Bei dem Wetter und dem Devils Staircase vorraus!
Als der Regen mal kurz etwas nachlässt, packe ich meine Sachen und wage mich zurück auf den Weg.
Ich treffe einen Neuseeländer, der wandernd um die Welt reist und Wanderweg um Wanderweg in Rekordtempo und nur mit Joggingschuhen, dafür aber schwerem Rucksack absolviert. Sein Tempo kommt mir gerade recht und wir fliegen mit knapp 5km in der Stunde dahin. Die Strasse ist schrecklich. Gefühlt immer ansteigend, dem Wind völlig ausgesetzt und unregelmässig mit großen Steinen belegt. Andauernd quasi Seen auf dem Weg, zwischen ihnen Rinnsale und Bäche. Bis jetzt haben meine Schuhe allem Regen getrotzt, plötzlich aber kommt der Komplettwassereinbruch. Wind, Regen, Sturm, Kälte. Beissen. Immer weiter. Fragt mich nicht, wie es im Rannoch Moor aussieht. Ich habe keine Ahnung. Die Augen fokussiert nach vorn gerichtet, seitlich ist sowieso nur Nebel zu sehen, das Hotel ist das Mantra und die Hoffnung! Nur noch ankommen! Irgendwann muss ich den Neuseeländer ziehen lassen und allein weiter gehen. Das Wetter wird kurz vor dem Hotel leicht besser. Trotzdem bin ich nass bis auf die Haut. Keins der wasserdichten Teile konnte völligen Schutz gewähren. Besonders negativ sind mir meine Gaitors (so Teile, die um Knöchel und Unterschenkel kommen) aufgefallen, die ich als Mitverursacher der Wasserladungen in meinem Schuh verdächtige. Psychisch ist diese Etappe ungeheuer anspruchsvoll, der Weg ist fast schnurgerade und wenig abwechslungsreich. Es gibt unterwegs auch kaum Bezugs- oder Orientierungspunkte, irgendwann mal eine Brücke knapp bei der Hälfte, sonst zuckelt man mit der Hoffnung auf baldiges Ankommen dahin.
Kurz vor dem Hotel? Das erste sichtbare Haus war nicht das Hotel und als es dann tatsächlich zu sehen ist, zieht sich der Weg noch ewig. Hier campen? Unmöglich! Mehr Tümpel als Wiese. Und selbst wenn, es ist gerade mal erst 12 Uhr und die Aussicht auf 20 Stunden im Zelt bei Sturm und Regen ist nicht sehr verlockend. Peinlich berührt durch das laute Schmatzen meiner Schuhe stapfe ich in das Hotel und bestelle ein Zimmer. Komplett ausgebucht! Auf mehrfache Nachfrage kommt dann ein Hinweis auf einen Bus, der nach Glen Coe Village fährt und in wenigen Minuten abfahren würde. Ich überlege meine Alternativen. Devils Staircase versuchen? Die schwierigste bzw. gefährlichste Passage bei schlechtmöglichstem Wetter mit völlig durchnässten Klamotten und Schuhen und schön vielen Kilometern in den Beinen? Es ist zwar gerade trocken, aber das muss ja nicht so bleiben.

Ich nehme schlussendlich den Bus und erreiche nach langer, entnervender Suche und erneuten fast 5km ein Hostel. Dusche, ein Bett, Trockenraum. Den restlichen Tag verbringe ich lesend, quatschend und chillend auf der Couch. Die Leute hier haben einen komplett anderen Hintergrund und sind Radsportler oder einfach nur Umherreisende mit neuen, anderen Geschichten. Irgendwann kommt ein Taxi und spült 4 Männer ins Hostel, die ebenfalls den WHW gehen und auch am Kingshouse Hotel gestrandet sind. Damit ist meine Entscheidung über den weiteren Verlauf gefallen. Keine Busweiterfahrt um eine Etappe zu überspringen oder eine Wanderung durch das Glen Coe, sondern eine gemeinsame Taxifahrt am nächsten Morgen zurück  zum Hotel, um den Weg auch lückenlos gehen zu können. Am Ziel habe ich mit vielen Wanderern gesprochen, die an diesem Tag gescheitert sind, die Wanderung abgebrochen haben oder ein, zwei Etappen mit dem Bus gefahren sind. Ich bin froh, dass mir das nicht passiert ist, der Weg wäre nicht komplett gewesen! Ich hatte aber ja auch noch genug Puffer und keinen drängelnden Rückflug vor Augen, der meine Zeitplanung beeinflusst – zu dem Zeitpunkt eine weise Entscheidung.

Schottland – Tag 5-6/16

Februar 22nd, 2012

Allerlei komische Geräusche sind in der Nacht zu hören gewesen. Tritte, Scharren und Lärm. Dazu Regen auf das Dach und Wassereinbrüche an einigen Stellen. Ein spitzer Aufschrei meiner Mitbewohnerin weist auf mindestens einen Ursprung der Geräusche hin: Mäuse/Ratten! Brot, Käse und Süsswaren – alles angenagt und wild im Raum verteilt. Mir fehlen nur 2 einzelne Rolos aus einer Packung, die sich in meinem Hüftgurt befunden hatte. Da Mäuse wohl keinen Reissverschluss öffnen können, haben sie halt das Gewebe aufgenagt. Der Rucksack ist also eingeweiht, das Loch allerdings ist recht klein und zu verschmerzen. Die Münchner brechen recht bald auf, ich lungere wie üblich noch etwas rum und geniesse die Einsamkeit. Der Blick auf die Karte zeigt ein weiteres Bothy in ca 12km Entfernung. Super, da wandere ich hin. Nach einem weiteren Erkundungsgang, der ebenfalls von der Unbegehbarkeit des Pfades begrenzt wird, komme ich wieder auf dem WHW an und trotte weiter entlang des Loch Lomond, dessen Ostufer fast in kompletter Länge vom WHW begangen wird. Da, plötzlich, Sonne die den Weg durch die Baumkronen findet. Ungeachtet der wenigen erst gelaufenen Meter steht die erste Pause an und ich breite das Zelt und die Isomatte auf dem Weg aus.
Es ist Sonntag und das Wetter ist gut, wie geschaffen für Ausflügler aus Glasgow, die scheinbar genau diesen Wegabschnitt toll finden. Mehrfach muss ich also meine Sachen vom Weg räumen. Richtig schlimm wird es aber erst, als ich kleine schwarze Stellen auf meinen Armen bemerke, die plötzlich zuckersüss schmerzen. Midges. Es ist mässig windig und feucht, ideale Bedingungen für die Viecher. Ich setze also meinen Imkerhutähnlichen Schutz auf, der leider an den Armen wenig nutzt, und flüchte. Zum Ende meines Aufbruchs kommt ein weiterer Wanderer, der mir schon von weitem zuruft. Mein StrongmanRun-Shirt hatte mich als Deutschen verraten und wir kommen ins Gespräch. Die nächsten Kilometer bis nach Inversnaid verbringen wir gemeinsam und ich erfahre einiges über asiatische Kampfkunst, Ringen und Knieprobleme. Nach einigen ruppigen Metern und meinem ersten und einzigen Faststurz kommen wir in Inversnaid an und bewundern den dortigen Wasserfall und die Promenade. Auf einem Platz stehen einige Tische, an denen wir unser Mittagsmahl einnehmen. Ich habe nur noch knappe 6km zu absolvieren, daher treibt mich wenig, das Gespräch ist angenehm und das Wetter gut. Wie üblich etwas zu spät brechen wir dann wieder auf, trennen uns aufgrund des hohen Lauftempos des Wandergegeners aber schnell. Axel plant, den ganzen Weg in 6 statt 9 Tagen zu absolvieren und hat am heutigen Tag noch einige Meter vor sich. Als Bettschläfer hat er zudem noch mit ganz eigenen Problemen zu kämpfen: Verfügbarkeit von Betten, Finden der Herberge, Entfernung vom Weg. So sehr ich manchmal auch gern meinen Kopf auf ein Kissen legen würde, so geniesse ich doch die Möglichkeit, mein Zelt überall auf den Boden pinnen zu können.
So weit die Theorie. Praktisch ist das Finden eines geeigneten Zeltortes nicht ganz so einfach. Es ist mir auf der gesamten Reise kaum gelungen, einen ebenen Platz zu finden. Die meisten Untergründe waren abfallend oder schief und vor allem meist uneben und stellen somit eine ernsthafte Gefahr für das Zelt und die Isomatte dar. Ein spitzer Stein oder ein Ast und der Boden oder die Isomatte ist durch und die reise gefährdet. Die komplette Abspannung meines Zeltes lässt sich zudem nur auf einer ebenen Fläche perfekt ausrichten (Stichwort Innenhaut/Außenhaut). Glücklicherweise ist das Zelt lang genug und ich kurz genug, um auch bei mangelhafter Abspannung in einer geschützten Ecke des Zeltes liegen zu können.
An einem Steingebilde steht dann ein Schild, das auf das angebliche Versteck von Rob Roy, der in dieser Gegend sein “Unwesen” getrieben hat, hinweist. Der Weg ist hier eine Ansammlung von Steinen und Schluchten, mehrfach muss man die Hände zu Hilfe nehmen und auch die Füße mit Bedacht setzen. Dieser Abschnitt gilt neben Devils Staircase als schwierigste Passage des gesamten Weges, ist trotzdem aber stark von meist Tageswanderern frequentiert. Mehrere Kilometer geht es rauf und runter über Treppen, Steine, Bäume, Büsche und Halteseile. Ich merke deutlich die Anstrengung der 1,5 Aufstiege und wünsche mir endlich das Ende der schwierigen Passage und das Erscheinen des Bothy, das partout nicht kommen will. Irgendwann kommen Ruinien zu beiden Seiten, aber es ist kein Schild zu sehen. Kommt überhaupt eins? Bin ich schon vorbei? Hm, nach weiteren 4 bis 5 Kilometern soll ein Campingplatz kommen. Doch plötzlich ist das Bothy da, nicht zu verfehlen. Man läuft gerade darauf zu und mitten in die Eingangstür, zudem sind bereits zwei weitere Wanderer dort. Nach einigen Sätzen ist auch die Nationalität geklärt und das übliche BlaBla beginnt. Ich so, du so, ich damals, du damals, wo komme ich her, wo willst du hin. Die beiden Pfadfinder sind etwas knorrig, so richtig warm werden wir nicht, trotzdem erfahre ich durch den nun dritten Versuch der Beiden Nützliches über die kommenden Etappen. Kurz nach dem Abendessen um sieben wollen sich die beiden schon hinlegen, was sollte man sonst auch tun? Im Licht meiner Strinlampe lese ich noch lange in meinem Buch und lausche den Mäusen, die es natürlich auch hier gibt. Achja… eine Kleinigkeit habe ich vergessen zu erwähnen. Am Morgen hatte ich unter den Büchern und Zeitschriften im Bothy auch ein Gästebuch gefunden, das meine Mitbewohner davorsitzend ignoriert hatten. Auf jeder Seite stand: Vorsicht vor Mäusen! Essen an den Schnüren aufhängen usw… Lesen bildet und schützt vor Verlust!
Früh am Morgen herrscht schon reges Treiben, meinen Mitwohnern kann ich fast nur noch Nachwinken und habe dann die Hütte wieder für mich. Es regnet wieder, hurra! Ab jetzt beginnt ein neuer Abschnitt des Weges: die Highlands stehen vor der Tür! Weitere Munros warten! Loch Lomond hinter mir und mit vielen Hügeln im Visier geht es in den sechsten Tag. Kurz bevor ich zur Beinglasfarm komme, erwischt mich ein richtiger Platzregen. Völlig durchnässt kann ich ins Klohäuschen flüchten und für kurzfristige Trockenheit sorgen. Diese Farm und Campingplatz hat sogar einen eigenen Laden und ein eigenes Restaurant. Nach Tagen karger Kost kann ich einem Cheeseburger und einem Guinness nicht wiederstehen. Leider hat mir der penetrant schmeckende Cheddar den Genuss etwas verhagelt. Schlimmer ist aber die Schwere, die sich in meinem Körper ausbreitet, sei es vom Essen oder vom Alkohol. Zudem geht es die ersten Meter nach dem Aufbruch stetig bergauf, was war auch von den Highlands anderes zu erwarten? Der Bauch schmerzte, der Rücken schmerzte, der Nacken schmerzte. Die richtige Justierung des Rucksackes ist eine Wissenschaft für sich und zumindest bei mir die Suche nach einer relativ schmerzfreien Position. Irgendwas schmerzt immer, der Nacken bei mir leider fast dauerhaft. Nach jahrelangen Studien kann ich aber immerhin sagen, dass die Schmerzen gewichtsunabhängig  und durch Ausgleichsversuche auf meine Kopfhaltung zurückzuführen sind.
Irgendwann läuft es wieder rund und ich kann einige Kilometer machen. Tagesziel soll ein Wildcampingplatz kurz nach der Hälfte des Weges sein. Diese Plätze sind auf den Karten verzeichnet und bei Verfügbarkeit kostenlos zu benutzen. Oft stellen diese Wildcampingplätze auch die einzigen Möglichkeiten dar, um überhaupt sein Zelt aufstellen zu können. In dieser Gegend herrscht landwirtschaftliche Nutzung mit umzäunten Wiesen und Weiden vor, alternativ gibt wellige Geröllfelder und diverse stark geneigte Hänge, zumeist in direkter Wegnähe. Da ich nicht unbedingt mit den Landbesitzern diskutieren möchte oder an ungewünschten Stellen ungefragt schlafen mag, wähle ich hier lieber eine offizielle Fläche.
Ich komme weiterhin gut vorran und irgendwann auch am höchsten Punkt des heutigen Tages bei der Hälfte des Weges in der Nähe von Crianlarich an. Nach einer ausgiebigen Kaffeepause in leichtem Regen geht es nur noch bergab – vermeintlich. Zwischendurch immer wieder rauf, und wieder runter, und wieder rauf… irgendwann erreiche ich den Falloch River, finde aber an der auf der Karte gezeigten Stelle statt einer Campingfläche eine Pferdereitanlage mit Zeltverbotsschildern. Ob sich diese jetzt nur auf den Stall beziehen oder für den ganzen Reitbereich gelten, erschliesst sich mir nicht und mein Weg geht weiter. Manchmal wünscht man sich in solchen Augenblicken eine Beratungsmöglichkeit, so muss ich für mich selbst entscheiden. Die Karte weist einen Campingplatz in 2-3km Entfernung aus – endlich wieder bezahlen! Mit dem letzen Tageslicht komme ich kurz vor 8 an der Auchtertyre Farm an und finde alle Büros verschlossen, auch ist kein Zelt weit und breit zu sehen, nur einige beleuchtete Wigwams. Da ein Weitergehen kaum mehr möglich ist und mögliche Campingflächen durch die Weiden rar, stelle ich mein Zelt einfach irgendwo auf einem Stück Wiese auf. Natürlich boggy und schief. Boggy steht für schmatzenden, matschigen Untergrund und trifft es schön prägnant auf den Punkt. Dann nähert sich ein Mann mit Hund von der Seite, dem ich hinterherlaufe und der sich als Eigentümer herausstellt. Da er kein Geld bei sich trägt, gebe ich ihm schweren Herzens alle meine Münzen, spare dadurch aber fast ein Pfund.
Immerhin gibt es eine komplett ausgestattete Küche, in der ich mein Abendmahl kochen kann – Reis mit Bohnen. Da mein Kaffeevorrat schnell zur Neige geht, decke ich mich hier auch noch mit Tee ein. Den Tee konnte ich nur durch Hilfe finden, da die Verpackung mehr nach Damenbinden aussieht und deshalb von mir in allen bisherigen Läden ignoriert wurde, zudem gibt es nur eine einzige Sorte und kein ins Auge springendes Regal! Nach diesem feuchten Tag kam mir eine Dusche gerade recht! Kurz umziehen und auf unters Nass! Bibbernd reisse ich die Tür auf und schaue nur in den Schlund eines Münzautomates! Und wo war mein gesamtes Münzgeld? Richtig, in der Tasche des Platzwartes! Aaargh! Die Leute in der Küche hatten ihr Kleingeld bereits in der Waschmaschine und dem Trockner verteilt. Mit dem Engländer unterhalte ich mich dann nett für zwei Stunden, während ich mich innen aufwärme und mein Handy mit einem geliehenen (weil vergessenen)Adapter lädt. Der sich auf Spendensammlung befindliche Engländer aus Edingburgh unterhält sich während des Gesprächs mit jemandem über Facebook, zwischendurch kommt seine Frau immer wieder mal rein und schaut nach der Wäsche. Erst am nächsten Tag sollte ich verstehen, dass die Frau nur eine Freundin und gleichzeitig die Gesprächspartnerin von Facebook war, die sich nur im wärmeren Wigwam aufgehalten hat. Skurril!
Mein kompletter Rucksack verbleibt dieses Mal in der Küche, um etwas trocknen zu können. Ich entschuldige mich für die Geruchsbelästigung… nach 6 Tagen on the road und andauerndem Regen leider kaum zu vermeiden. Anstrengend ist vor allem der stete Wechsel zwischen Regen und Sonne, zwischen Jacke und Shirt, zwischen Schwitzen und nass werden.

Schottland – Tag 3-4/16

Februar 21st, 2012

Es ist Morgen. Kalt, windig, ungemütlich. Raus aus dem Zelt und rein in die Küche zu warmem Kaffee. Zum x-ten Male schaue ich auf die Strecke der nächsten Kilometer. Wie weit soll ich gehen? Soll ich auf dem Ben Lomond hoch? Durch die ungewollte Verlängerung bin ich meinem eigentlichen Tagesziel schon auf knapp 10km nah gekommen. Soll ich also weiterlaufen, oder einen halben Tag verschenken? Oder sofort rauf auf den Ben Lomond? Reicht dazu noch die Zeit? Wie lange dauert der Aufstieg? Aber wenn ich bereits heute oben war, habe ich einen weiteren Tag eigentlich unnötigen Puffer. Die Zeit verrinnt. Plaudereien mit anderen Wanderern aus/in beiden Richtungen. Ein Pärchen ist vor der letzten Etappe und packt unglaublicherweise einen Campingkocher mit Doppelflamme Kaliber Wohnwagenurlaub aus dem Rucksack! 28kg wöge der Rucksack, 22kg der seiner Freundin! Na Prost Mahlzeit, mir reichen meine mit vollem Getränkereservoir 14kg. Also erstmal in die Dusche, dann sieht alles wieder freundlicher aus! Am Abend wollte ich nicht, um nicht mit feuchtem Haar im Zelt liegen zu müssen. Leider sind noch zwei Leute vor mir, dann ist das Wasser so warm – die Zeit verrinnt.
Als ich aus der Dusche trete, kann ich meinen Augen kaum trauen. Nun gut, den Augen eigentlich schon, aber meinem Hirn nicht. Hatte ich das unfreundliche Wetter erwähnt? Kann mir dann bitte jemand sagen, warum ich Horst nicht erst mein Zeit abgebaut habe, um dann duschen zu gehen? Also darf ich mein Zelt in strömendem Regen abbauen und einpacken – neuer Artikel aufs Merkblatt für die nächste Tour: wasserdichter Packsack für das Zelt. Mäßig motiviert schultere ich dann meinen Rucksack und ziehe von dannen. Nach einigen Kilometern sehe ich dann einige erlaubte Zeltplätze direkt am Ufer des Loch Lomond, immerhin ca. 10 an der Zahl. Gut zu wissen für ein nächstes Mal, aber etwas wenig, um in der Hauptwanderzeit einen Schlafplatz zu finden. (nach 5 Monaten habe ich jetzt fast alle Ortsnamen wieder vergessen uns muss sie nachschlagen). Nach knapp 2,5 Stunden durch teilweise strömenden Regen erscheint endlich Rowardennan vor mir. Wenn ich hier den Ben Lomond hoch will, muss ich auch in der Nähe übernachten. Also geht es erst Richtung des Zeltplatzes, der aber zur Jugendherberge gehört. Für ein Jahr geschlossen. Dann nehme ich eben ein Zimmer. Ausgebucht. Das ortsansässige Hotel würde das Budget sprengen.
Hm. Ich schlurfe zuerst zurück in den Ort und zu einer Hütte auf dem Parkplatz direkt am Aufstieg zum Ben Lomand, 974 Meter höher. Nach einem unterwegs aufgeschnappten Tipp endet das Campverbot wenige Kilometer nach Rowardennan an einem Gatter. Bis jetzt weiss ich nicht genau, ob das so exakt stimmt, denn ich habe nie ein Schild mit einer Aufhebung des Verbots gesehen, allerdings einige Kilometer weiter ein erneutes Hinweisschild… In der Hütte sehe ich die Rucksäcke der Engländer, die also den Aufstieg gewagt haben. Nach einer Ruhepause und zahlreichen Überlegungen stelle ich meinen Rucksack ebenfalls ab und stapfe nur mit Notverpflegung den Berg hinauf. Was hätte ich sonst bei Regen mit dem Nachmittag anfangen sollen? Mittlerweile ist es 15 Uhr und ich verfluche meine Trödelei am Morgen. Hätte ich doch nur, wäre ich doch, warum bin ich nicht…. so bleiben mir jedoch nur knapp 5 Stunden für rauf/runter. Die Entfernung ist auch etwas unklar, die Aussagen schwanken zwischen 7 und 13 Kilometern. Mir kommen andauernd Wanderer entgegen, die allesamt ausgepowert und klatschnass aussehen. Es sei Sturm dort oben, ein richtiges Unwetter. Die Zeit würde für mich wohl noch reichen, aber sie hätten schon länger keinen mehr beim Aufstieg getroffen – die letzten wären 3 junge Burschen gewesen. Deren Lauftempo kannte ich ja schon… Mir ist also klar, dass niemand nah vor mir ist und rückschauend ist auch niemand mehr zu sehen. Ich würde also den Abstieg allein machen müssen und wäre bei jeglichen Problemen ohne Backup, zusätzlich wusste niemand, dass ich am Berg bin. Bereits 3 etwas haarige Stellen waren auf den ersten Kilometern zu bewältigen, Felsformationen von knapp 2 Metern Höhe mit Trittsteinen oder schiefen Ebenen, alles schön nass und vermatscht und beim Abstieg doppelt schön. So gehe ich den sanft ansteigenden Weg weiter und weiter, immer wieder mit Rückschau auf das Loch Lomond und mit Blick auf Nachfolger. Irgendwann treffe ich ein Paar, die mir sagen, dass sie abgesehen von einer Gruppe die Letzten wären, das Wetter scheußlich und mit  null Aussicht sei, weiterhin wäre hier ungefähr die Hälfte des Aufstieges.
Auf einem großen Stein geniesse ich die Nieselpause und bewundere die Aussicht, stehe dann auf und beginne den Abstieg, die Engländer nun hinter mir wissend. Die Zeit hätte vermutlich noch knapp gereicht, aber wer weiß, was der weitere Weg noch für Späße bereit hält. Als Alleinreisender muss man immer besondere Vorsicht walten lassen. So komme ich entspannt und vorsichtig wieder unten an der Hütte an, nur wenige Minuten vor den Engländern, die völlig durchnässt aber breit grinsend ankommen und jetzt nur noch zum Zeltplatz der Jugendherberge wollen, dann aber sehr unerfreut von mir über die Schliessung und Ausgebuchtheit informiert werden. Als letzte gute Tat kann ich ihnen ein nahegelegenes Bothy auf der Karte zeigen, das dann ihr Nachtlager werden soll. Mir ist die Entfernung zu weit, da ich am Folgetag sehr früh den erneuten Aufsteig wagen will und möglichst wenig Zeit für den Anmarsch verwenden mag. Als positiver Nebeneffekt des Campingplatzes stellte sich das regelmässige Treffen mit ehemaligen Mitbewohnern heraus, die man dann im Anschluss fast an jeder Ecke wiedertraf.
Mein Zelt steht jetzt also zwei Meter nach dem Schlagbaum in einer begrasten Ausweichfläche. Man glaubt kaum, wie schwer es mitunter ist, eine einigermassen trockene, ebene und wurzelfreie Fläche von 2*1,5m zu finden. Noch gibt es ein wenig Restsonne, unter der ich ein wenig Aufwämung versuche. Einziges Mittel gegen Langeweile ist jetzt: Bewegung. Also laufe ich etwas nach links, dann etwas nach rechts, treffe noch den ein oder anderen. Hoffnungsvoll finde ich nur knapp 500m weiter ein Zelt, dessen Inhaber sich aber schnell als gewollter Einzelwanderer herausstellt. Mit dem Verlischen des Tageslichtes kann man sich außerhalb des Zeltes kaum noch aufhalten und der Schlafsack ruft. Rucksacken aus- und wieder einpacken, Sachen ordnen, Minirucksack für den nächsten Tag vorbereiten, ein paar Zeilen lesen, schlafen.
Um sieben dödelt dann der Wecker, Kaffee kochen, Zelt einpacken und los. Alles nass, alles klamm, warum habe ich keinen Stuhl eingepackt… knapp 3k später bin ich wieder an der Hütte, verstecke meinen Rucksack, trödel noch ein wenig rum und mache mich mittelmässig motiviert an den erneuten Aufstieg. Das Wetter ist wechselhaft. Teils bewölkt, immer wieder sonnige Passagen, andauernd aber auch Regen, natürlich mit immerwährendem Wind. Im Nachhinein würde ich über dieses gefühlte Schlechtwetter noch schmunzeln, aber das konnte ich noch nicht ahnen. An einer Wegbiegung steht plötzlich eine Herde Highland Cattles. Neben dem Weg und mitten auf dem Weg. Es gibt keine andere Möglichkeit, ich mich mitten hindurch. Es ist Samstag und es sind andauernd Leute unterwegs, die ich entweder überhole oder umgekehrt. Allein ist anders. Den halfwaypoint vom Vortag finde ich zweifelsfrei nicht wieder, dafür ist plötzlich der Gipfel in Sicht. Dachte ich. Relativ sachte steigt der Weg weiter hinauf. Ein paar Serpentinen, ein paar Steine und Geröll, keine besonderen Schwierigkeiten. Aber nach jedem vermeintlichen Gipfel geht es wieder weiter und noch höher. Mittlerweile bin ich in den Wolken angekommen und alles ist leicht verhangen. Recht unmotivierend kommen mir auch schon die ersten wieder entgegen, die Zahl der Autos auf dem Parkplatz hatte darauf schon hingewiesen. Dann, relativ plötzlich, bin ich oben. Ein kleines Plateau, ein Gipfelstein, Wolken und kalter Wind. Zwischendurch gibt es einige Löcher in der Wolkendecke und Teilbereiche des Loch Lomond lassen sich erahnen. Der Blick nach Norden und damit auf zukünftige Tage bleibt mir leider verwehrt. Nach einer windgeschützten Verpflegungspause mache ich mich an den Abstieg, wie gewohnt sehr gemächlich. Jeder, aber auch wirklich jeder überholt mich. Die Krönung ist ein Opa mit Krückstock, von dem ich mir aber immerhin eine stockgestützte Abwärtsschwungtechnik für treppenartige Hindernisse abschauen kann. Die drei etwas komplizierten Stellen im ersten Drittel sind die einzigen geblieben und machen den Komplettaufstieg abgesehen von den ca. 974hm vergleichsweise einfach. Verschiedene Reiseführer bezeichnen den Ben Lomond (und auch den Ben Nevis am Ende des WHW) als den Munro mit dem leichtesten Aufstieg und daher auch als einer der meistbestiegenen der Berge, die höher als 3000 Fuss sind (914,4m). Von den insgesamt 283, die ein Munro-Bagger erklettern will. habe ich nun den ersten geschafft. Geschafft bin ich auch, als ich unten in der Hütte ankomme. Abtrocknen, Klo, Ausruhen, Kaffe kochen. Heute soll das Bothy mein Ziel sein. Die Hütte dient als Sammelpunkt für Wanderer und so berichte ich einem Münchener Pärchen von meinem Plan und der Unverfügbarkeit von Schlafmöglichkeiten in diesem Bereich. Nach gefühlten 10km kommt dann ein fast unsichtbarer Pfad, der nach rutschigen Metern durch Morast und über Holzplanken zu einem halbverfallenen Haus führt. Glücklicherweise hatten mich die Münchener bei einer Rast eingeholt, so konnten wir den nicht ganz leichten Weg gemeinsam suchen, finden und begehen. Extrem ungern hätte ich auch allein in dieser Hütte schlafen wollen, mit knarzenden Geräuschen, kaum Licht und allerlei Unrat. Immerhin gibt es ein Schlafplateau, ein Dach oben drüber und Tisch und Stühle. Auf einem Erkundungsgang zum Ufer mache ich auch erste Bekanntschaft mit den Midges. Zu denen später mehr.
Nach Abendessen, etwas nettem Smalltalk und Austausch von bisherigen Erfahrungen kann ich meine wohlverdiente Nachtruhe antreten. Zuvor habe ich mein gesamtes Zelt und die komplette Kleidung auf diversen Wäscheleinen verteilt. Das Bothy selbst liegt in einem verwunschen anmutenden Waldstück knapp 150m vom Seeufer entfernt und ist Überbleibsel einer verlassenen Siedlung, von der im näheren Umkreis noch einige Ruinen zu finden sind. Ein Erkundungsgang fällt aber relativ kurz aus, da der Weg irgendwann nur noch aus Schlamm und Wasserlöchern besteht. Ursprünglich führte der WHW genau hier durch, aber durch Uferabbrüche und feuchtes Wetter wird von einer Benutzung abgeraten und es weist auch kein Schild mehr auf den Einstieg zum Pfad hin. Von einer Benutzung nach stärkeren Regenfällen kann ich auch abraten. Später sollte ich noch Wanderer treffen, die diesen ursprünglichen Weg benutzt haben, aber von sehr anstrengenden Bedingungen erzählen konnten.
Dieses Bothy kann ich auch nur bei schlechtem Wetter empfehlen, sonst ist man in seinem Zelt besser aufgehoben.

Der Vogelbräulauf

Januar 23rd, 2012

Nachtrag vom 03.09.: Nachdem nach und nach alle Teilnehmer und Helfer abgesagt hatten, blieb ich als einziger Läufer und Betreuer übrig. Fast pünktlich um 09:00 begab ich mich zur Startlinie und nahm das Rennen auf. Nach 100m kam sofort die erste Filiale, die aber erst um 10:00 öffnet und somit ans Ende des Laufs gelegt wurde. Nach 2km durch die Karlsruher Südstadt erreichte ich den Oberwald und somit auch etwas Schatten, immerhin sollten es über 30°C an diesem Tag werden. Wie üblich irrte ich ein wenig im Wirrwarr der Wald- und Feldwege umher, bis ich nach ca 10km in Ettlingen ankam und den Biergarten zum ersten Bier (und einer Brezel) enterte. Der Schweiß floß jetzt schon in Strömen.

Gut 20 Minuten später ging es wieder zurück durch die Ettlinger Innenstadt hinauf zum Wattkopf. Heroisch gefasste Gedanken über eine eingebaute Bergwertung wurden aber schnell zugunsten der nur knapp 200hm-starken, bodennahen Strecke verworfen. Neben der Erfrischung hatte der erste halbe Liter Vogelbräu keine weitere Wirkung. Nach knapp 15 Kilometern erreichte ich dann nach einem Kampf mit einem Mückenschwarm das Feldgebiet von Durlach Aue. Fast freies Feld, kein Schatten, Leidenszeit. Langsam wurden auch die Beine schwer. Nach ziemlich genau 21km kam ich ohne Gehpause im Vogelbräu Durlach an. Zusätzlich zum Bier und zur Brezel gab es noch einen Bierbeisser. Der zweite halbe Liter hatte dann doch Wirkung, als ich etwas schwerfällig auf die letzten knapp 4km schlich. Mehr gehend als laufend kam ich nach ca 3 Stunden und ca. 25km am Ziel an und stürzte mich sofort auf mein Freigetränk, in diesem Fall dann aber ein Radler.

Während des Laufs hatte ich mir dann sofort noch Gedanken über einen eventuellen Streckenverlauf für die zweite Auflage gemacht, immerhin wartet kurz nach dem Vogelbräu in Durlach der Turmberg mit einer wunderschönen Bergankunft als Finale. Der sportliche Wert der Veranstaltung war natürlich ziemlich gering, der wissenschaftliche und der gesellige Teil aufgrund der Teilnehmerzahl natürlich auch. Wird wiederholt.

Wettkampftrilogie

Dezember 11th, 2011

Um mich auf den Syltlauf vorzubereiten , habe ich mich für einige Wettkämpfe angemeldet. Nach der Schottlandtour gab es einige Tage Ruhe und einige Teller Essen, Aus Tagen wurden Wochen und aus Tellern Tröge. So kam der Tag des Schlossparklaufs näher und ich hatte seit 8 Wochen keinen Laufschritt(stop falsch: 4,21km Marathon-Glückwunschlauf für die Debütantinnen) zurückgelegt. Am Vortag konnte ich mich dann wenigstens knappe 5 km durch den Wald bewegen, Heldentaten waren aber trotzdem nicht zu erwarten. Durch die angenehme Entfernung von 2km konnte ich per Rad anreisen, trotzdem hat mich das nicht von völliger Verspätung abgehalten. Noch “kurz” zum Geldautomaten, noch “kurz” die Startnummernausgabe suchen und überhaupt wo ist denn der Start dieses Jahr? Glücklicherweise fügten sich alle Puzzleteile gut zusammen und ich konnte sogar noch einige Meter locker eintraben und das Rennen von der letzten Position aus starten. Entsprechend mühsam war dann natürlich Weg durch die Menge, um mich auf das gewünschte Tempo einzupendeln. Die Stunde wollte ich bei den 9,9km auf jeden Fall unterbieten, also 20 Minuten für die erste der drei Runden brauchen. Mit knapp 19:30 hat das auch gut funktioniert, also Tempoverschärfung. In der zweiten Runde taten dann die Beine und Füße ein wenig weh, aber das gab sich auch schnell wieder. In der dritten Runde konnte ich das Tempo noch etwas bis auf Syltlaufniveau erhöhen und zielsprintlos mit Durchschnittspuls 177 und ca. 56:30 finishen.

Nur zwei Tage später wartete schon der Hockenheimringlauf mit dann auch noch hundert Metern mehr Entfernung! Diesmal begleitet von meiner Freundin sollte es schon mein dritter Start auf der Rennstrecke sein – Bestzeitpflaster. Erklärtes Ziel sollte eine komplette Hälfte im Syltlauftempo sein. 2,5km einlaufen, 5 schnell und wieder 2,5 auslaufen. Heraus kam dann ein Crescendolauf mit glatten 54:00. Nur noch 23,33km im gleichem Tempo und Sylt kann kommen. Als Zuckerle habe dann bei einem Durchschnittspulsgewinnspiel eine Polar RS 100 gewonnen. Ich konnte einfach den Pulswert von vor zwei Tagen übernehmen…

Nur eine Woche später durfte ich dann eine Runde mit Achim Achilles im Anschluss an einen Auftritt von “Sehnen lügen nicht” durch den Karlsruher Schlosspark drehen. Interessant und spassig!

Gefolgt von einer weiteren langen Pause konnte ich mich wieder zu zwei Läufen über 5km aufraffen. Das Spiel war immer das übliche… viel Arbeit, wenig Zeit, zu spät schlafen gehen, zu spät aufstehen und chronisch gehetzt und müde. So wurde der heutige Lauf zu einem Muster ohne Wert, aber nötig, um die komplette Winterlaufserie zu bestreiten. Immerhin bleiben mir jetzt noch vier Wochen, um mich für die 15km fit zu machen…ganz zu schweigen von den 20km Anfang Februar. Beide Strecken werde ich wohl trainingslos nicht bestreiten können, ausprobieren möchte ich es jedenfalls nicht!

Heute bin ich eigentlich nur locker getrabt, ohne mich zu sehr anzustrengen. Wir sind mit drei Arbeitskollegen gestartet und die Leitungsfähigkeit war jeweils etwas unklar. Ich hätte schon gern das Rennen als Erster von uns beendet, aber konnte am Ende leider nicht mehr zulegen und kam mit einer Minute Rückstand knapp unter 55 Minuten ins Ziel. Die Karten werden aber noch neu gemischt, mein Lieber, die nächsten 25km werde ich dich vor mir her treiben! Gleichzeitg werden die nächsten Läufe der Gradmesser für mein Syltlauftempo werden. Klares Ziel sind jeweils die 05:20/km. Gelingt mir das nicht, schalte ich (wieder einmal) auf Genusslauf und werde versuchen, meinen drittletzten Platz vom Vorjahr zu verteidigen.

Schottland – Tag 1-2/16

November 5th, 2011

Jetzt bin ich mittlerweile schon länger wieder zurück. als ich überhaupt in Schottland unterwegs war. Mir gibt der Abstand eine etwas andere, weniger von Emotionen geprägte Sicht, dem Leser wird bestimmt ein vielleicht unnötig langer Bericht erspart.

Tag 1: Nach viel Irrungen und Wirrungen habe ich mich für die Anreise mit Bus und Bahn entschieden. Netterweise wurde ich von meiner Freundin zum Bahnhof gefahren, an dem schon der Zug nach Mannheim wartete. Während ich dann seelenruhig durch den Bahnhof schlenderte, ein sicheres Zeitpolster vermutend, fuhr die S-Bahn nach Ludwigshafen bereits ab. Glücklicherweise fährt von Mannheim aus fast jede S-Bahn zu diesem Zwischenhalt, so dass ich schon 3 Minuten später die Reise fortsetzen konnte. In Ludwigshafen musste ich zum Glück nur auf die andere Gleisseite und konnte in den Zug nach Mainz steigen. Eine Stunde später stand ich dann in einer langen Schlange, um in den Hahn-Express steigen zu können. Am Flughafen ging es dann in ein Flugzeug. Eigentlich fehlten jetzt nur noch Pferd, Fahrrad und Schiff und ich hätte alle modernen Fortbewegungsmittel durch gehabt. In Schottland gab es dann eine Busstaffette: der Flughafenbus liess mich meinen fix gebuchten Überlandbus nach Glasgow verpassen, aber der gewohnt nette Busfahrer hat das Tickt im Folgebus trotzdem akzeptiert. Unfassbar, wie lange man in der Buchanan Bus Station nach dem richtigem Abfahrtsot suchen kann… irgendwann war ich aber im richtigen Bus und dann auch ca 45 Minuten später in Milngavie, dem Startort des West Highland Ways. Der Busfahrer hatte mir beim Einstieg 30 Minuten angekündigt. Haltestellen werden nicht angezeigt oder angesagt, ohne Zeitangabe ist das Finden des richtigen Ausstiegs schwer. Mit falscher Fahrtzeitangabe allerdings auch.

Milngavie ist ein mittelgroßer Ort mit einer kleinen Fussgängerzone am Nordrand von Glasgow. Nachdem ich mich in zwei Supermärkten mit Getränken und einem Abendessen eingedeckt hatte, musste ich nur noch ein Photo vom Startobelisk schiessen und der Weg konnte beginnen. Doch was macht der Photoapparat? Sagt, es wären nur noch 15 Bilder möglich. Die Speicherkarte. Daheim. Im Notebook! Aargh! Kurz vor 5, wann schliessen die Geschäfte? Schnell. Wo? In einem Zeitschriftenladen wurde ich dann zu einem Tesco geschickt, der etwas versteckt, aber glücklicherweise sehr nah war. Seelig fand ich dann die gewünschte Speicherkarte zum beruhigenden Preis von 11 Pfund für 4GB. Nicht auszudenken, wenn ich das erste Bild zu einem späteren Zeitpunkt aufgenommen hätte. Einen Beruhigungskaffee später konte ich dann endlich den Weg beginnen.

Direkt ging es aus dem Ort entlang eines Flusses heraus in ein Waldgebiet. Überall waren noch deutlich die Spuren der Stürme der Vorwoche zu sehen. Umgeknickte Bäume und herumliegende Zweige und Äste. Am Ende des Waldgebietes lag das erste Loch, ursprünglich der geplante Übernachtungsort, der dann aber nicht besonders hübsch oder einladend war. Das Tageslicht wurde zunehmend schwächer, also lag der Fokus nun auf Zeltplatzsuche. Knappe 2km später gab es eine kleine von Steinmauern umfasste Wiese, die zudem noch von einem Hügel geschützt wurde. Nach knapp 11 Stunden Anreise war ich dann auch entsprechend erledigt und legte mich schnell zur Ruhe. Als Bettlektüre diente mir ein Buch von Anne Rice – Angel Time. Englische Bücher haben sich bei mir durch eine längere Lesedauer im Vergleich zu deutschsprachigen bewährt. Zudem saugen die Blätter gut Feuchtigkeit auf und eignen sich so allabendlich als Füllmaterial für die Schuhe.

Mitten in der Nacht musste ich mehrmals Vorkehrungen gegen die Kälte treffen, um nicht allzu sehr frieren zu müssen. Ich hatte lediglich einen dünnen Sommerschlafsack dabei, der aber noch etwas textile Unterstützung nötig hatte. Der Tag war sonnig und wolkenlos gewesen, die Nacht sternklar – ein Garant für knackige Kälte und gleichzeitig die kühlste Nacht der kompletten Reise. Knappe 10 Stunden später lachte mir erneut die Sonne ins Gesicht, leider aber zu schwach um das Zelt zu trocknen. Mittelprächtig hübsch ging es dann über breite Wege, Forststrassen und sogar etwas Asphalt zum ersten Etappenziel nach xxx. Es war erst kurz nach Mittag, die Beine fühlten sich frisch, also ging es weiter direkt auf die zweite Etappe. Etwas Puffer kann ja nie schaden, der musste sich allerdings hart verdient werden. Nach einem kurzen Waldstück ging es die ersten Meter richtig bergauf.

Auf einer Lichtung habe ich dann meine erste Pause eingelegt und einen Müsliriegel zu mir genommen. Während meines Aufbruchs traf ich drei Engländer, mit denen ich dann einige Kilometer zusammen zurückgelegt habe, bis mir das Tempo am folgenden Berg zu hoch wurde. Auch die mehrfach herumliegenden Whiskyfudges, die die Engländer bei einer Destillerybesichtigung gekauft hatten und für die Nachhut zurückgelassen hatten, konnten mich nicht zu einer höheren Geschwindigkeit führen. Der Aufstieg führte wie üblich an einem temporären Bachlauf entlang den Hügel hinauf. Der Untergrund war feucht und matschig, die Felsbrocken groß und die Neigung steil. Und es ging immer weiter. Und noch ein Stück. Und noch um eine Ecke rum. Zur Belohnung wartete auf der Kuppe ein grandioser Ausblick auf das Loch Lomond und eine Herde Highland Cattles. Durch Geschichten über Wildschweine und Elche vorgewarnt umkurvte ich die Tiere mit ausreichendem Abstand, der rückblickend durch die Friedfertigkeit der Rinder nicht nötig gewesen wäre.

Vorsichtigen Schrittes und geschafft vom Aufstieg tastete ich mich über rutschiges Gras die 250HM wieder hinab. Kurz vor Erreichen der Erdoberfläche hing ein Schild an einem Gatter: Zelten verboten auf den nächsten 20km. Informationen, die man eine Stunde vor Verlischen des Tageslichts nicht lesen möchte. Statt an dieser Stelle mein verdientes Nachlager aufstellen zu können, musste ich mich noch 5 weitere Kilometer bis zum nächsten Campingplatz schleppen, denn die Strafandrohung von 500 Pfund klang doch sehr ungemütlich. Immerhin kam ich so zu einer Dusche und einem Stuhl beim Abendessen. Die Engländer, die ich dort wiedertraf, liessen nachts ihre Sachen in der Küche – im Nachhinein keine schlechte Idee und später oft kopiert.

Schottland als No-Budget-Tour

August 16th, 2011

Als Folge einer kostspieliegen Autoreparatur ist aus der Low-Budget eine No-Budget-Tour geworden. Die ins Auge gefassten Kajakausflüge fallen wohl genauso ins Wasser wie ein Update meiner Ausrüstung. Das Herumlaufen in etwas abgewetzter Kleidung kann ich verkraften, aber die Kajaktouren werden mir fehlen. Vielleicht fällt mir in den nächsten Wochen noch ein Eimer Geld auf den Kopf. Als erste Hilfsmaßnahme mache ich mal wieder einen Flohmarktstand, auch wenn die lukrativen Artikel mittlerweile immer rarer werden. Die zweite Hilfsmaßnahme wird die Plünderung meiner Flugkasse sein, die inzwischen auf knapp 200 Euro angewachsen ist. Dominica (eine Insel…), du musst noch 9 Monate länger auf mich warten! Als Kajakalternative muss nun der Ben Nevis herhalten, der sich wohl ganz gern mal gegen den Aufstieg wert und ein paar Tage kosten kann. Der auf dem West Highland Way liegende Ben Lomond kann sich ebenfalls auf meine Anwesenheit freuen, so viel Zeit muss sein. Die Aktivitäten der zweiten Urlaubshälfte stehen noch nicht ganz fest, entweder der Great Glen Way (billigste Alternative), oder Skye(hat keinen guten Wanderweg) oder die Letterewe Wilderness (das eigentliche Ziel)